Maike Jarsetz‘ digitale Dunkelkammer

 

2010 erschien im d.Punkt-Verlag das Buch „Handbuch Digitale Dunkelkammer“ von Steinmüller/Gulbins, von dem Titel und Coverlayout dieses neuen Buches entlehnt sind.  Ich möchte hier aber keinen Vergleich der beiden Bücher anstreben, da das eine bereits vor 10 Jahren erschien und das neue, wie der Titel schon sagt, ein Buch über die persönliche Dunkelkammer von Maike Jarsetz ist, keine unmittelbare Neuauflage des älteren Buches.
Ich selbst nutze Lightroom und Photoshop schon seit einigen Jahren, zuerst als Kaufversionen und nun in der Creative Cloud Abo-Version, was mich aber keineswegs als professionellen User qualifiziert. Ich habe nur für mich die persönlichen Vorteile gesehen und nutze diese, vieles andere in diesen professionellen Programmen liegt bei mir eher brach.

Umso gespannter war ich auf dieses Buch, was würde es für mich Neues bringen, würden sich bei mir einige Verständnisknoten lösen und würde ich meinen Arbeitsablauf, oder auf Neudeutsch Workflow, ändern. Nach einem ausführlichen Einstieg, in dem insbesondere die Gemeinsamkeiten und Werkzeuge der beiden Programme bei der Entwicklung eines RAW-Bildes und der Aufbau eines eigenen Workflows sowie Basisinformationen über digitale Bilder behandelt werden, geht es dann auch ans Eingemachte. Wir verlassen die reine Entwicklung eines digitalen Negativs (RAW) mit Lightroom oder Camera-RAW (als Bestandteil von Photoshop) und gehen die die Bearbeitung von entwickelten Fotos, im Sinne einer gestalterischen Veränderung des Ausgangsmaterials mittels Photoshop.

In einzelnen Workshops werden nun spezielle Photoshop-Techniken zur Lösung immer wieder kehrender Probleme und Bildbearbeitungsaufgaben vermittelt. Die ausgewählten Bildbeispiele im Buch lassen sich in ähnlicher Form auf fast jedem Rechner finden, so kann man die Workshops und einzelnen Arbeitsschritte direkt auf seine eigenen Bilder anwenden, was über das reine Nachmachen des Gezeigten hinausgeht und den Nutzer so auch mehr fordert. Die Workshops sind mit gut erkennbaren Fotos in den jeweiligen Bearbeitungsstufen und auch gut lesbaren Screenshot der benutzten Werkzeuge illustriert. Allgemeine Anmerkungen und Exkurse, wie beispielsweise zu den grundlegenden Auswirkungen der einzelnen Mischmodi, vertiefen das soeben Angewendete und bringen ein deutlich intensiviertes Verständnis für die Zusammenhänge in der Bildbearbeitung mit Photoshop.

Viele Workshops in dem Buch befassen sich mit Ebenen, Maskierungen und Detailverbesserungen und zeigen mögliche Wege zur Lösung von Problemen oder zur Individualisierung von Fotos mittels Photoshop. Ich charakterisiere Photoshop immer mit „geht nicht, gibt´s nicht“ und „viele Wege führen nach Rom“, was bedeutet, dass es nahezu unmöglich ist alle Bearbeitungstechniken und vor allem Kombinationen darzustellen.

Es ist immer nur eine Auswahl, die den Nutzer zu eigener Kreativität und zur Suche nach individuellen Lösungen anregt. Für mich waren insbesondere die unterschiedlichen Techniken der Maskierung und der Auswahl von Details zur weiteren Bearbeitung im Buch von Maike Jarsetz sehr hilfreich.

Das vorliegende Buch von Maike Jarsetz ist keine allgemeine Bedienungsanleitung für Lightroom und Photoshop, das würde in Verbindung mit ihrem gewählten Ansatz der digitalen Dunkelkammer den Umfang eines Buches deutlich sprengen (ich habe im Regal noch ein Buch über Photoshop CS6 stehen, das es alleine schon auf 1200 Seiten bringt). Beispielsweise sind die Lightroom-Module „Bibliothek“, „Drucken“ …, also alle außer „Entwickeln“ nicht Teil des Buches. Wer sich für das Entwickeln von digitalen Fotos, also dem Prozess nach dem Druck auf das Knöpfchen und dem Import auf den Rechner über die grundlegende Entwicklung und die verändernde Bearbeitung bis zum Export für verschiedene Zwecke, interessiert, sich dort weiterbilden und trainieren will, für den ist dieses Buch eine deutliche Empfehlung. Man sollte allerdings das Paket der Abobe Creative Cloud Foto, mit Lightroom und Photoshop, bereits installiert haben und schon erste Erfahrungen gesammelt haben. Das Buch zu lesen ohne auszuprobieren zu können und sich dann erst für die Programme entscheiden, halte ich für sehr schwierig und wenig zielführend. Mir nützt Maike Jarsetz‘ digitale Dunkelkammer auf jeden Fall und ich übe mich durch die einzelnen Workshops … nicht alles bleibt nach dem ersten Mal im Gedächtnis haften.

Maike Jarsetz‘ digitale Dunkelkammer 
Maike Jarsetz
Erscheinungsdatum: 12.10.2020
Seitenanzahl: 800
Verlag: dpunkt.verlag
Einband: komplett in Farbe, Festeinband
ISBN Print: 978-3-86490-316-8
49, 90 Euro

 

Schreibe einen Kommentar