Monthly Archives: Januar 2020

Schwarzweiß (Teil 2)

Nach der Einleitung geht es jetzt an die Praxis, also die Umwandlung eines farbigen Bildes in ein schwarzweißes Bild.
Alle im Text befindlichen Bildbeispiele sind am Ende der Seite in größerer Form in der dort integrierten Galerien sichtbar,
dort kann man die Unterschiede nochmals deutlich im Vergleich sehen.

Das ist mein Ausgangsbild
… nicht nur ein geeignetes buntes Bild,
auch das dort verkaufte Eis war 1a 😉

 

 

 

 

 

Dieses Bild wurde in der Software am Computer einfach nur in ein
Graustufenbild umgewandelt und sieht dann so aus.

Blau und Gründ sind fast identisch, man erkennt kaum, dass es sich um 4 sehr verschiedene Farben bei den Eiskugeln handelt. Ich persönlich finde
diese Version nicht besonders gelungen.

Die Automatik hat zwar gemacht was sie sollte, aber halt ohne individuelle Feinabstimmung.

 

 

Bei der unten stehende Version wurden die einzelnen Farbbereiche bzw. Farbkanäle durch individuelle Korrekturen (auf Sicht, nicht per Automatik)
angepasst und man erkennt deutlich 4 unterschiedliche Graubereiche, die für mein Empfinden gut zu den originalen Farben passen.

In der Software kann man nun den Helligkeitswert (Graustufe) jeder einzelnen Farbe punktuell ausmessen.
Die nun grauen Farbbereiche haben, wie die originalen Farben auch, innerhalb der Farbe leicht unterschiedliche Werte.
Eine punktuelle Messung ergab Gelb = 154, Rot = 38, Blau = 45 und Grün = 104

Bei der Umwandlung in Graustufen (1. S/W-Bild) sind die Werte für Grün und Blau in einem Bereich von 62 bis 74,
also sehr eng bei einander und daher optisch kaum von einander zu unterscheiden.

Schwarzweiß (Teil 1)

ja, eines der Themen, das mir besonders am Herzen liegt
… was sicherlich auch an den Galerien unschwer zu erkennen ist.

Mit Schwarzweiß ist im Zusammenhang mit Fotografie natürlich eher nicht sowas gemeint,
obwohl schwarzweiß ist das Bild ja.

Gemeint ist mit Schwarzweiß eine Aufnahme bzw. eine Darstellung, die statt Farben eine Vielzahl
von Graustufen bzw. Helligkeitswerten enthält. Im optimalen Fall 256 (von Wert 0 wie komplett schwarz ohne jegliche Zeichnung,
bis zum Wert 255 wie reines Weiß, ebenfalls ohne jegliche Zeichnung) klar differenzierte Graustufen.
Bei diesen Fotos ist die Ablenkung durch Farbigkeit ausgeschlossen, keine Farbe, wie beispielsweise die
aktiven Signalfarben (rot, gelb) kann sich trotz kleinem Flächenanteil in den Vordergrund bringen und
vom eigentliche Bildinhalt ablenken. Auch Farbkonkurrenzen, Farbstiche und „falsche Farben“ oder Disharmonien spielen keine Rolle.
Farben stören sich nicht gegenseitig oder lenken von der beabsichtigten Bildaussage ab.

Die „Kunst“ besteht darin, die Farbwerte in die „richtige“ Graustufe zu überführen. Überlässt man das einer
Automatikfunktion in der Software oder dem Kreativmodus in der Kamera kann es passieren, dass sich Bereiche nicht
ausreichend voneinander abheben, da die Farben in gleiche oder sehr ähnliche Tonwerte übersetzt werden.
„Richtig“ ist hier natürlich ein Wert, der vom Bildinhalt, aber auch von dem persönlichen Empfinden und Geschmack des
Bildbearbeiters deutlich gesteuert und beeinflusst wird.

Da Schwarzweiß immer eine Abstraktion der Realität darstellt … unsere Augen sehen die Welt normalerweise
in bunten Farben, gibt es auch kein „richtig“ und „falsch“ in klassischen Sinne. Erlaubt ist sicherlich was gefällt und dem
Fotos nutzt, also den Inhalt optimal darstellt. Schwieriger im Sinne von „nicht passend“ oder „nicht glaubwürdig“ wird dies bei Motiven, bei denen jeder die Farbe kennt … eine Tomate beispielsweise. Hier wird der geneigte Betrachter sehr helle, fast weiße Graustufen als „nicht richtig“ einstufen und damit für sich das gesamte Bild als eher „schlecht“ oder „schlecht gemacht“ bewerten.

Der Normalfall … Tomate = rot, Laub = grün, das links stehende Bild wirkt daher auf den Betrachter also möglicherweise „falsch“.
Hier ist das noch klar und nachvollziehbar, könnte vielleicht beim Betrachter noch als künstlerische Freiheit durchgehen, aber bei komplexeren Motiven ist manchmal die Meinung des Betrachters nicht mit der Realität und den Wünschen des Fotografen in Einklang zu bringen

Erlaubt ist trotzdem eigentlich alles, es wird halt nur nicht jedermann gefallen … aber damit kann (und muss) der Künstler leben.

Wie man „richtige“ Schwarzweißumsetzungen machen kann, also einen oder mehrere von vielen Wegen, beschreibe ich im 2. Teil. (coming soon)

 

Animals – Steve McCurry

Steve McCurry / Animals

Internationale Bekanntheit erreichte Steve McCurry durch seine Reportage „Intervention in Afghanistan“, die die Zeit des sowjetischen Engagements an der Seite der machthabenden Putschisten gegen diverse Mujaheddin-Gruppen in den 1980er-Jahren dokumentiert.

Vielen Fotografen und Lesern ist das Porträt des „Afghanischen Mädchens“ bekannt, welches 1985 das Cover des National Geographic Magazins zierte. Auch wenn ich dieses Bild sehr wohl kannte, bin ich auf das weitere Schaffen von Steve McCurry erst durch eine Ausstellung zum Thema Buddhismus gestoßen. In der Völklinger Hütte waren in Verbindung mit einer historischen Buddhismus-Ausstellung 30 Fotos im Format von ca. 2×3 m ausgestellt, die durch ihre lebendige Farbigkeit einen tollen Kontrast zu den grauen Betonwänden der eindrucksvollen Industriekulisse bildeten. Die leuchtenden, kräftigen Farben der McCurry-Bilder lassen seine Themenwelten und Motive lebendig und authentisch wirken, ohne bunt und kitschig zu sein. Bis zum Produktionsende hat McCurry mit Kodachrome-Filmen gearbeitet, er verfügt über ein Archiv von mehr als 800.000 Kodachrome-Dias.
McCurrys Hauptinteresse gilt den Menschen mit ihrer typischen Kleidung, sichtbarem und authentischem Umfeld, passenden Gegenstände, erkennbaren Örtlichkeiten und Hintergründen. Viele seiner Porträts werden erst dadurch zu dem was sie sind.
In vielen Situationen ist der Mensch in seinem beruflichen Umfeld, in seinem Alltag oder in seiner Freizeit umgeben oder begleitet von Tieren. So hat er auch Menschen mit Tieren und Tiere alleine fotografiert. Diese Fotos hat McCurry nun zusammengestellt und in dem Buch Animals veröffentlicht. Um es direkt zu sagen, wer ein Tierbestimmungsbuch oder eine Hochglanz-Tierpark-/Wildlife-Beauties-Buch erwartet, der wartet umsonst. Die Tiere in „Animals“ sind aus dem Leben gegriffen, ungeschönt, alltägliche Tiere, die McCurry bei seinen Reportagen in den jeweiligen Regionen fand.

McCurry erzählt Geschichten in Bildern, so dass in dem Buch die Rolle der Tiere … als Partner, Freund, Arbeitstier, Besitz oder Statussymbol … oder auch alleine ohne Menschen, anders gesagt: an Stelle des Menschen dargestellt wird. Sie nehmen teils gewichtige Rollen im sozialen Gefüge ein, teils sind sie zunächst nur Beiwerk. Oft sind sie erkennbare Individuen mit Gefühlen, Würde und sozialem Stand, manchmal auch die alleinigen Hauptakteure im Bild. So sind beispielsweise Fotos von Tieren enthalten, die sich in kriegszerstörten Gebieten bewegen und sich in dieser vom Menschen verursachten Ödnis in ihrer Freiheit erst orientieren müssen um zu überleben.
Das Buch zeigt eine bunte Auswahl sehr unterschiedlicher, ausdrucksstarker Bilder, insbesondere wenn das Verhältnis von Mensch und Tier unmittelbar im Bild dargestellt wird. Bilder, die Mensch und Tier als Partner zeigen, sind besonders emotional ansprechend, denn häufig übernehmen hier Tiere die Rolle eines anderen Menschen als Partner. In einigen Bildern ergeben sich humoristische Elemente, da man Mensch und Tier in Rollen sieht, die man eigentlich so nicht erwartet. Hunde, die mit dem Menschen gemeinsam in die Lektüre der Zeitung vertieft zu sein scheinen, oder einen Affen, der dem Menschen kritisch beim Malen von Zeichen beobachtet. Auch Parallelitäten, wie das doppelstöckige Schläfchen mit ähnlicher Pose von Mensch und Hund, verursachen ein Schmunzeln.

Es sind Fotos zu sehen, wo das Tier Schutz und Zuflucht beim Menschen sucht, versorgt und behütet wird. Genauso sind aber auch Bilder zu sehen wo der Mensch sich in die Geborgenheit eines Tieres begibt, wie der Junge der sich an ein Rind kuschelt und schläft. Die enge, über Jahrtausende gewachsene Verbindung zwischen dem Mensch und den Haus- und Nutztieren wird in vielen Bildern deutlich. Manchmal sind die Tiere auch nur Zierde ihres Besitzers, wie der rosa Pudel auf dem Boulevard oder die Reptilien auf den nackten Oberkörpern junger Männer.

Einzelne Bilder habe ich über einen längeren Zeitraum betrachtet um die Szene nach und nach in Gänze zu erfassen, nach einem kurzen Blick sieht man zwar das Hauptsujet, aber es verbergen sich in den Bildern häufig weitere Informationen, die das Bild erst komplettieren. Mich regen viele der Bilder zum Nachdenken an, was sehe ich eigentlich genau, sehe ich das was der Fotograf mir zeigen will oder gibt es eine Geschichte im Bild, die ich entdecken kann. Das Buch ist für mich nicht nach dem ersten Anschauen abgelegt, ich nehme es immer wieder und suche mir ein Bild raus, welches ich dann für mich genau betrachte und versuche das Gesehene zu analysieren. Ich glaube das kann ich auch lange Zeit immer wieder mal machen, ohne dass Langeweile aufkommt … dafür sind die Bilder einfach zu vielfältig. Insbesondere das Titelbild als Initial lässt bei mir eine ganze Geschichte ablaufen. Ich fühle mich sehr unmittelbar in das Dschungelbuch versetzt, seine Charaktere ziehen vor meinem geistigen Auge auf.

Das hochwertige Papier des Buches hat eine eher seidenmatte, ganz leicht strukturiert wirkende Oberfläche. Die Strukturen, Kanten und Flächen sind detailreich, aber nicht aufdringlich und übertrieben abgebildet. Ein wenig fühlt man sich auch bei den neueren Bildern in analoge Zeiten versetzt. Der Verzicht auf Hochglanz in Verbindung mit einer eher sanften Farbigkeit unterstreicht die Ruhe, die man zum Genießen des Buches haben sollte. Spiegelungen treten kaum auf, aber man sollte eine ausgewogene Beleuchtung zum Betrachten der Bilder haben.
Das knapp über dem DIN-A4-Format liegende Buch hat einen hochwertigen Einband mit Prägeschrift und Schutzumschlag. Es ist in Fadenbindung gefertigt und lässt sich sowohl gut umblättern als auch aufschlagen. Neben vielen DIN-A5-Bildern sind auch ganzseitige und doppelseitige Bilder enthalten.
Das Buch enthält nur sehr wenig Text. Ein paar einleitende Worte des Fotografen, einige passende Zitate, alles auf Englisch … das war´s. Meiner Ansicht nach reicht das auch, denn die Fotos im Buch sprechen für sich. Am Ende ist zu einigen Fotos noch eine zusätzliche kurze Information auf Englisch, Deutsch und Französisch enthalten. Dies ist für mich das einzige kleine Manko, ich hätte mir noch zu einigen weiteren Bildern zumindest ein klein wenig mehr Information am Ende des Buches oder als Einleger gewünscht.

Ich persönlich kann dieses Buch jedem Freund reportageartiger Fotografie empfehlen, für die Freunde der Fotografie von Steve McCurry ist es fast schon ein must-have.