Gold – S. Salgado

Aurum … das chemische Element mit der Ordnungszahl 79 oder auf deutsch GOLD. 

Dies ist der Titel des neuen Buches von Sebastiao Salgado, welches im Juli 2019 im Taschen-Verlag erschienen ist.

Das Buch zeigt Salgados vollständiges Portfolio das in der Goldmine von Serra Pelada, dem „Kahlen Berg“ am Rand des brasilianischen Amazonas-Regenwaldgebietes, im Jahre 1986 entstanden ist. Das 208-seitige Buch im Format 24,8 x 33 cm enthält neben einem informativen Vorwort des Fotografen und einem Nachwort des Co-Autors Alan Riding zumeist großformatige Schwarzweißbilder  (20×30 cm und doppelseitige Abdrucke).

Zur damaligen Zeit dominierten Farbbilder die Printmedien, aber Salgado hat sich bewusst für die schwarzweiße Darstellung entschieden und hat damit nicht nur das New York Times Magazin überzeugt. Diese Art der künstlerischen Darstellung hat Salgado auch in seinen späteren Langzeitprojekten beibehalten.

„Was hat dieses leblose gelbe Metall nur an sich, dass es die Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen, all ihre Habe zu verkaufen und einen ganzen Kontinent zu durchqueren, um ihr Leben, ihre Knochen und ihre Gesundheit für einen Traum aufs Spiel zu setzen?“
– Sebastião Salgado (aus Pressetext Taschenverlag)

Menschen, die auf den meisten Bildern zu sehen sind, werden durch die Größenunterschiede abstrahiert, je nach Betrachtungsabstand sieht man zunächst nur Linien, Punkte und Flächen. Erst durch die Annäherung und eine genaue Betrachtung werden die Punkte wieder zu Individuen, die Linien zu Leitern und schmalen Pfaden am Abgrund, die Flächen zu Erde und Gestein.

 

 

 

 

Die Bilder enthalten viele kleine Details, die es zu finden und zu entschlüsseln gilt. Es gilt aus dem Gewimmel hunderter und tausender Menschen das komplexe System des primitiven Goldabbaus mit all seinen Schwierigkeiten und Gefahren zu erkennen.

Durch den Verzicht auf die farbige Darstellung der ockerfarbenen, eisenhaltigen Erde, die die garimpeiros, von Kopf bis Fuß eingehüllt hat, gelingt eine sehr kontrastierte und fein abgestimmte Durchzeichnung von Details. Gerade in den erschöpften Gesichtern der Männer, der Muskulatur, den Werkzeugen und Leitern und an ihrer durchnässten Kleidung wird dies deutlich.

Die optische Suche nach Details und Informationen wird nicht durch eine einheitliche, schlammfarbene Eintönigkeit abgelenkt oder fehlgeleitet. Details, wie Werkzeuge, Steine, Schuhe, Kleidung, Waffen und Gesichter bleiben auffindbar und erkennbar.

Auch wenn der Goldrausch längst vorüber ist und die Mine, in der früher bis zu 50000 Männer lebten und schufteten, um ein kleines Stück vom großen Glück zu bekommen, geschlossen ist, wirkt er heute noch nach.
Ca. 30 Tonnen Gold im Wert von ca. 400 Mio. $ hat die Mine, die nun ein 200 m tiefer, vergifteter See ist, abgeworfen. Der intensive Einsatz von Quecksilber zur Goldgewinnung hat die Umwelt nachhaltig geschädigt und eine tote Landschaft hinterlassen.

„Salgados Fotografien sind von einer zeitlosen Unmittelbarkeit. Wir wissen zwar, dass die Mine in Serra Pelada mittlerweile geschlossen ist, doch das ganze Drama des Goldrausches ist in ihnen noch lebendig.“ — Alan Riding (aus Pressetext Taschenverlag)

Für mich ein echtes Reportage-Highlight mit beeindruckenden Schwarzweißfotos auf hochwertigem Papier.
Jörg Wilhelm

 

TASCHEN
Sebastião Salgado. Gold

Sebastião Salgado, Lélia Wanick Salgado, Alan Riding
Hardcover, 208 Seiten € 50
Ebenfalls erhältlich als signierte und limitierte Collector’s Edition, sowie als Art Edition.

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