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Maike Jarsetz‘ digitale Dunkelkammer

 

2010 erschien im d.Punkt-Verlag das Buch „Handbuch Digitale Dunkelkammer“ von Steinmüller/Gulbins, von dem Titel und Coverlayout dieses neuen Buches entlehnt sind.  Ich möchte hier aber keinen Vergleich der beiden Bücher anstreben, da das eine bereits vor 10 Jahren erschien und das neue, wie der Titel schon sagt, ein Buch über die persönliche Dunkelkammer von Maike Jarsetz ist, keine unmittelbare Neuauflage des älteren Buches.
Ich selbst nutze Lightroom und Photoshop schon seit einigen Jahren, zuerst als Kaufversionen und nun in der Creative Cloud Abo-Version, was mich aber keineswegs als professionellen User qualifiziert. Ich habe nur für mich die persönlichen Vorteile gesehen und nutze diese, vieles andere in diesen professionellen Programmen liegt bei mir eher brach.

Das Motiv – das neue Buch von Harald Mante

 

Das Motiv – Motive erkennen und kreativ fotografieren

Mitte 2020 erschien im D.Punkt-Verlag das neue Buch von Harald Mante und ich war wirklich gespannt auf dieses Buch. Ich habe bereits einige Bücher von Harald Mante und hatte auch das Vergnügen an einem seiner Seminare teilzunehmen.

Das Buch ist der logische Zwilling zum Mante-Buch „Das Foto“, welches bereits in der 4. völlig überarbeiteten Ausgabe incl. ca 300 neuer Fotos 2018 im D.Punkt-Verlag erscheinen ist. https://dpunkt.de/produkt/das-foto/ (dort auch Leseproben und das Inhaltsverzeichnis)

Eins reicht. – Sebastian H. Schröder

Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Inhalt

Eins reicht. Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Der Titel war für mich erstmal etwas irritierend, vor allem weil die Neonhand zwei Finger zum V-Zeichen in die Höhe streckt. Aber schon in der gut geschriebenen Einleitung wurde mir klar was mit dem Titel gemeint ist und was mich im weiteren Verlauf des Buches erwarten wird. Der Autor bringt dies mit dem Satz „…dieses Buch liest sich eher wie ein intensives Gespräch auf einem Spaziergang.“ ziemlich genau auf den Punkt.

Gaudi – Material, Form und Farbe

Für dieses Jahr war eigentlich ein mehrtätiger Trip nach Barcelona fest eingeplant … naja und dann kam Corona.
Beabsichtigt waren, neben dem allgemeinen Touristikprogramm, ausführliche Fotoexkursionen zu den Bauwerken,
die Antonio Gaudi geschaffen, angefangen oder entworfen hat.

Rock Cover …. cover me

Der Taschenverlag hat zu seinem 40sten Jubiläum eine Reihe von Büchern aus seinem Verlagsprogramm in einer neuen, kompakten und günstigen Version herausgebracht. Wer also eher einen günstigen Einstieg in das Werk eines Künstlers oder in ein Thema sucht und auf die typische Coffeetable-Größe eines Fotobildbandes verzichten kann ohne auf Qualität und Inhalt zu verzichten, der hat die Gelegenheit für  20 Euro pro Band den gleichen Content in schreibtisch- oder couchkonformer Größe zu erhalten.

Ausstellung: GOLD – Sebastiao Salgado

über das Buch aus dem Taschenverlag habe ich ja bereits einen ausführlichen Bericht geschrieben, aber nun hatte
ich auch die Gelegenheit die Ausstellung GOLD in der Bene Taschen Galerie in Köln zu besuchen. Ca. 30 Fotos in
unterschiedlichen Größen werden in 2 Räumen präsentiert. Die weißen Wände und die gute Beleuchtung
lassen die Bilder gut zur Geltung kommen. Bei den analogen Fotoabzügen ist der richtige Betrachtungsabstand
für mich entscheidend für die Bildwirkung, denn die Körnung wird bei zu nahem Betrachtungsabstand schon störend deutlich.

Über diesen Link zur Galerie kann man sich einen sehr guten Überblick über das gezeigte verschaffen.
Leider ist die Ausstellung beendet, wer weiß wann man wo mal wieder Salgados Bilder im großen Formatanschauen kann.

Hier noch ein Link zu einem Interview mit S. Salgado, das im Zusammenhang mit der Ausstellung geführt wurde.

Wer also in absehbarer Zeit nach Köln kommt, sollte sich die Ausstellung ansehen. In der Nähe befindet sich auch der
Aachener Weiher und der bekannte Friedhof Melaten, so kann man seiner Kamera auch noch etwas „Futter“ verschaffen.
Nebenbei noch ein Tip für ein super leckeres Eis bei SCHMITZ , ganz in der Nähe der Galerie auf der Aachener Str., ein
paar hundert Meter in Richtung Zentrum.

Authentische Porträts fotografieren – Chris Orwig

Buch-Rezension

Authentische Porträts fotografieren – Chris Orwig

Ein Leitfaden für die Suche nach Wesen, Bedeutung und Tiefe

d.Punkt-Verlag 2020

 

In dem Fotogebiet „Porträt“ habe ich mich bislang nur nebenbei gelegentlich mal versucht, aber mich nie wirklich damit beschäftigt. Mit dem einen oder anderen Ergebnis war ich zwar ganz zufrieden, aber es war mir ganz klar, war es Zufall oder wo liegen die Ursachen zwischen „naja, okay“ und „eigentlich sehr gut“. Manche Porträts bekannter Fotografen sprechen mich an, andere eher weniger. Auch hier wurde mir nicht wirklich klar, woran das genau liegt. Ich habe für mich in unterschiedlichen Büchern nach Porträts gesucht und die entsprechenden Texte gelesen. In dieser Phase fand ich im Repertoire des d.Punkt-Verlags das Buch von Chris Orwig. Das Porträt auf dem Umschlag des Buches -ein alter Mann mit grauem Haar und Vollbart blickte mich zurückhaltend, aber nicht unfreundlich an- gefiel mir ausgesprochen, es war für mich authentisch.

Chris Orwig wählt in seinem Buch einen für mich eher ungewöhnlichen Weg, er gibt keine fertigen Anleitungen, keine fotografischen Kochrezepte, an seine Leser, er geht das Thema sehr menschlich, sehr tief an. Er beschreibt viele innere Abläufe und Überlegungen, die eng mit einem Porträt zusammenhängen und damit auch Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Die vielen möglichen Interaktionen, die zwischen zwei Menschen, dem Fotograf und dem Model, ablaufen, werden beleuchtet. Chris Orwig spricht von Ängsten und Zweifeln sowie der Möglichkeit mit diesen umzugehen. Verknüpft werden die Betrachtungen mit praktischen Hinweise und Techniken, um sie individuell zu nutzen und auch anzupassen. Jeder Fotograf ist anders auf seiner künstlerischen Suche. Chris Orwig stellt das aufrichtige Interesse am porträtierten Menschen, die Empathie und den Wunsch nach einer tiefgründigen Abbildung der Person in den Vordergrund. Aktives Zuhören und positives Verstärken sind der Spiegel, den der Fotograf seinem Model zur Orientierung und Ausrichtung bieten soll.

Um sich mit der Person zu beschäftigen, ihr die Ängste zu nehmen und die Persönlichkeit in einem Foto darzustellen, stellt Chris Orwig das Gespräch in den Vordergrund. Auch das Ansprechen und Finden eines Models, mitunter der schwierigste Teil eines Poträts werden behandelt. Den Ansatz von Chris Orwig mit „frame and blame“ finde ich sehr interessant und werde ihn für mich ausprobieren. Chris Orwig behandelt in seinem Buch ausschließlich die Nutzung von natürlichem Licht, insgesamt werden Ausrüstung und Aufnahmetechnik in eher geringem Umfang behandelt. Für ihn ist das tiefe Verständnis über die Bedeutung eines Porträts wichtig, daher empfiehlt er dem Fotografen sich selbst porträtieren zu lassen, um daraus zu lernen.

Das über 400-seitige Buch ist nicht zum schnellen durchlesen und nachschlagen gedacht. Man liest Satz für Satz, Kapitel für Kapitel, dann macht man Pausen um das Gelesene zu reflektieren, auf seine Verwendbarkeit zu prüfen und für die eigenen Bedürfnisse angepasst auszuprobieren. Ich habe das Buch öfter mal für ein paar Tage weggelegt und erst dann weiter gelesen. Es ist kein Buch für den Einstieg in das Thema, sondern eher eine Vertiefung  aus einer speziellen Sicht und dient zur Vermeidung von Fehlern (oder auch zur Analyse bereits gemachter Bilder) und zur möglichen Verbesserung der eigenen Ergebnisse.

 

Chris Orwig
Heico Neumeyer (Übersetzung)

Authentische Porträts fotografieren
Ein Leitfaden für die Suche nach Wesen, Bedeutung und Tiefe

Februar 2020, 452 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag ( hier finden sich auch Leseproben )
ISBN Print: 978-3-86490-733-3

 

so geht das in Luminar 4

So geht das in Luminar 4

Fotos verwalten, optimieren und teilen

Über das Programm aus dem Hause Skylum wurde im Internet bereits viel geschrieben und diskutiert. Von „die Alternative zu Lightroom“ über „kompliziert und verwirrend“ bis hin zu „Alleskönner mit vielen Möglichkeiten und kleinen Schwächen“ finden sich vielfältige Meinungen.

In dem Buch von Frank Treichler „ So geht das in Luminar 4“, welches in d.Punkt-Verlag erschienen ist, wird das Programm detailliert mit allen Funktionen erklärt. Das Buch beginnt mit einer allgemeinen Vorstellung des Programms mit seinen Vor- und Nachteilen. Danach geht es weiter mit einer Beschreibung der Installation, sodass dann der Erkundung der in Folge beschriebenen Grundfunktionen und der individuellen Anpassung der Oberfläche nichts mehr im Wege stehen dürfte.

 

Dank des ausführlichen und gut strukturierten Inhaltsverzeichnisses am Anfang des Buches ist es nun möglich direkt zu bestimmten Bereichen oder einzelnen Funktionen zu gelangen. Die Kapitel sind durch farbige Markierungen an oberen Seitenrand schnell auffindbar. Dies und das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches bieten auch später, nach einer Einarbeitung in das Programm, die Möglichkeit gezielt einzelne Funktionen zu suchen und Fragen gezielt zu klären.

Den größten Teil des Buches nehmen die unterschiedlichen Funktionen bzw. Werkzeuge des Bearbeitungsmoduls ein. Die Werkzeuge werden ausführlich, größtenteils mit Screenshot und Beispielbildern, dargestellt und ihre Wirkungswiese wird erklärt. Hier werden auch praxisgerechte Tipps und Mini-Workshops angeboten, zu denen sich Beispielbilder downloaden lassen. So kann man die Beispiele am heimischen Computer, mit einer Testversion oder dem finalen Programm, problemlos nachvollziehen.

Das Buch endet mit Exporteinstellungen, den Druckmöglichkeiten und einer Tabelle nutzbarer Tastaturkürzel. Für mich alles in allen eine sehr runde Sache, sowohl als Anleitung zum Einstieg und den ersten Bearbeitungsschritten als auch zum Nachschlagen bei später aufkommenden Fragen oder Problemen.

Das gut 400 Seiten starke Buch ist in bewährter Fadenbindung erstellt. Die Papier- und Druckqualität ist sehr gut, so können die Beispielbearbeitungsschritte bzw. deren Auswirkungen meist schon durch das Buch sehr gut optisch nachvollzogen werden. Der Autor hat sich daher auch bewusst für deutliche Schritte, die bisweilen in der Praxis etwas heftig wären, entscheiden … man kann es dann halt besser erkennen. Meine Empfehlung ist das Programm oder zumindest die Testversion schon während des Studiums des Buches zu nutzen … lesen und selbst machen prägt sich halt besser ein als nur lesen.

Für mich ist das Buch eine sehr gelungene Anleitung für die Praxis, sowohl für Einsteiger als auch für den fortgeschrittenen User. Darüber hinaus ein gut strukturiertes Nachschlagewerk … mehr kann man von einem Buch nicht verlangen.

 

Hier geht´s zur Verlagsseite mit Leseproben etc. https://www.dpunkt.de/buecher/13475/9783864906800-so-geht-das-in-luminar-4.html

 

Frank Treichler           So geht das in Luminar 4

Fotos verwalten, optimieren und teilen

Februar 2020, 420 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag ISBN Print: 978-3-86490-680-0

Fotografie zwischendurch – Carsten Schröder

20 Minuten Alltag mit Kreativität füllen

Durch den Titel und die Kurzvorstellung im Verlagsprogramm war ich sehr gespannt auf dieses Buch aus dem d.Punkt-Verlag. Der Autor ist Amateurfotograf, wenn auch sehr erfolgreich wie seiner Vita zu entnehmen ist. Für ihn ist die Zeit zum Fotografieren, genau wie für mich und viele Leser, zusätzlich zum Broterwerb und sonstigen Verpflichtungen aufzubringen.

Nachdem er im Vorwort zunächst seine einleitenden Grundüberlegungen zu fotografischen Themen und Motiven, zeitlichen Aspekten, der Kameraausrüstung und Locations darlegt, ergeht schon hier quasi die erste Aufforderung an die Leser: go out and take pictures

Das Buch ist im Folgenden in 42 Episoden, man könnte auch Themenbereiche oder Locations sagen, unterteilt, in denen der Autor Bilder zeigt, die er unter dem Credo des Buches aufgenommen hat. Er gibt Informationen, wie sich das fotografischen Thema ergeben oder besser gesagt in seinen Alltag eingefügt hat. Seine Überlegungen on Location, die beabsichtigte Wirkung, entstandene Probleme und auch die verwendete Technik werden kurz dargestellt. Frei nach dem Motto: „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.“ nutzt der Auto für seine Episoden häufig sein Mobiltelefon.

Als Amateurfotograf sollte man sich vielleicht tatsächlich ein wenig mehr mit den Möglichkeiten seines Telefons beschäftigen, ich jedenfalls werde das nach der Lektüre des Buches auf jeden Fall tun. Selbst die Bildqualität eines Mobiltelefons oder einer kompakten Digitalkamera sind oft ausreichend genug, um Bilder zu machen, wenn man mehr oder weniger ungeplant auf fotografisch interessante Motive oder neue Aspekte bereits begonnener fotografischer Sammlungen trifft. Diese Bilder können sowohl als fotografische Skizzen für ein zu planendes Shooting am gleichen Ort oder als eigenständige Serie genutzt werden. Bei der Verwendung im Web sind sie auch als ergänzende Bilder in bestehende Sammlung einfügbar, die geringe Auflösung in einer Web-Galerie sollte auch mit Bildern des Mobiltelefons möglich sein.

Der Autor zeigt in den 42 Episoden eine breite Palette von Örtlichkeiten und Gelegenheiten auf, bei denen man nicht immer direkt an das Fotografieren denkt … ein Weg durch einen U-Bahnhof zum nächsten Zug ist für viele tägliche Routine. Man kann jedoch zunächst gedanklich oder direkt fotografisch versuchen den Alltag zu durchbrechen und den Alltag zum Motiv zu machen. Kleine Zeitfenster zu schaffen und fotografisch zu nutzen … sich 10 Minuten eher auf den Weg zur Arbeit zu machen und dafür einen kleinen Stop einlegen, die Kamera nehmen und einige Fotos machen. Endlich ein Bild von dem was man tagtäglich gesehen hat … und da manchmal der Appetit beim Essen kommt, kann man das dann auch ausbauen. Neben Fotos, die der Autor an seinen Locations gemacht hat … keine fotografischen Highlights, aber darum geht es in diesem Buch auch gar nicht … gibt er auch immer wieder weitergehende Tipps zur Erarbeitung einer Szenerie, zur weiteren Bearbeitung oder zur Nutzung von Equipment.

Es gibt ja bereits einige Bücher auf dem Markt, die einem helfen sollen oder wollen seine phasenweise niedrige Kreativität wieder aufzupushen. Die Bücher, die ich kenne, sind meist so aufgebaut, dass man pro Woche oder Tag eine Art Aufgabe bekommt und diese dann individuell umsetzt. Dies ist ein Weg, um vorübergehende Phasen eigener Ideenlosigkeit zu beenden, das hier vorliegende Buch geht einen anderen Weg. Neben der Idee spontan das Gesehene in ein fotografisches Bild umzusetzen, bringt es mich dazu mir Gedanken über nahe liegende Locations und Motive zu machen. Diese halte ich für mich auf einer Liste fest und plane sie in den Alltag zu integrieren.

Das dazugehörige Zeitfenster planen, eine passende Minimalausrüstung mitzunehmen und dann vor Ort kurz aber intensiv zu fotografieren. Die ersten Punkte auf meiner Liste habe ich unmittelbar beim Lesen des Buches notiert, ein Anfang ist also gemacht und nun kommt die Umsetzung. Vom Text her ist das Buch inhaltlich wie sprachlich kein Highlight der Foto-Prosa, aber auch das will es wohl auch gar nicht sein. Für mich ist es ein gut nutzbares Buch mit praktischen Ansätzen und soliden Tipps … es erfordert jedoch schon fotografische Kenntnisse und die Bereitschaft sich persönlich mit der Materie auseinander zu setzen. Eher ein Buch für Fortgeschrittene als für Anfänger.

Das querformatige Buch ist in hochwertiger Fadenbindung mit Lesebändchen ausgeführt.
Von der Druckqualität und dem verwendeten Papier entspricht es voll meinen Erwartungen.

Hier findet man einige Leseproben auf der Verlagsseite: https://www.dpunkt.de/buecher/13467/9783864906831-fotografie-zwischendurch.html#Leseproben

Carsten Schröder
Fotografie zwischendurch
20 Minuten Alltag mit Kreativität füllen
September 2019, 266 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-683-1

a life in pictures – Steve McCurry

Steve McCurry – A life in pictures

392 großformatige Seiten mit 350 zumeist farbigen Fotos … mehr als 100 davon sind bislang unveröffentlicht. Dazu viele Abbildungen persönlicher Gegenstände, handschriftliche Notizen und private Erinnerungsfotos. Geschrieben von seiner Schwester, Bonnie McCurry, ist das Buch ein einzigartiger Einblick in das Werk und das bewegte Leben eines der bedeutendsten Fotografen der letzten Jahrzehnte oder wie die Buchrückseite verrät: „Das ultimative Werk zu Steve McCurry“.
Anfangs hatte ich ein wenig Probleme einen flüssigen Einstieg in das Buch zu finden. Steve McCurrys Leben wird tatsächlich von der Wiege bis Einstieg in die professionelle Fotografie ausführlich aus der Sicht seiner älteren Schwester, deren starke Bindung zu ihrem berühmten Bruder man deutlich herauslesen kann, beschrieben. Vom frühen, tragischen Verlust der Mutter, über den Unfall der seinen rechten Arm dauerhaft lädierte bis zum schulischen Werdegang mit Eskapaden und Abenteuern im Jugendalter wird das Leben von Steve McCurry sehr ausführlich beschrieben … irgendwann geht die Story dann über zur Fotografie und damit zu der Geschichte Steve McCurrys, die wir teilweise aus seinen Bildern kennen.
Im späteren Verlauf des Buches sind in dieser ausführlichen Einleitung  jedoch manchmal wertvolle Hinweise und Informationen zu finden, die es einem erleichtern manche Entscheidung oder Wendung im Leben von Steve McCurry und damit auch seine Bilder besser zu verstehen. Irgendwann fesselte mich die Geschichte, oder besser gesagt die vielen einzelnen Geschichten, die sich abgespielt haben und in den Fotos von Steve McCurry zum Ausdruck kommen. Meine Leseabschnitte wurden immer länger und zuletzt habe ich das Buch kaum noch aus der Hand gelegt … das Ende, mit einer großartigen Bildersammlung zu den Themen: Mut, Ort der Zuflucht – Bäume und Heiligtümer, Schlaf, Unveröffentlichte Bilder und Neueste Arbeiten, entschädigte mich dann für das Ende des Lesevergnügens. In vielen Büchern bekannter Fotografen habe ich für mich ein Mangel an Informationen festgestellt, ich wollte mehr über die Bilder und ihre Entstehung erfahren. Das ist in diesem Buch absolut nicht der Fall.

Im Buch findet sich die Geschichte von Sharbat Gula, dem afghanischen Mädchen mit den strahlend grünen Augen, welches 1985 auf der Titelseite der National Geographics zu sehen war. Ebenso die Geschichte eines indischen Schneiders, der, bis zum Hals im Wasser stehend, seine alte Nähmaschine durch die Fluten des Monsuns rettet.

 

 

 

 

 

 

Ground Zero, der Anschlag auf das World Trade Center, mit den einstürzenden Twin-Towers …

Steve McCurry war gerade in New York und hat tiefgreifende Bilder gemacht … am Puls der Zeit, immer zur richtigen Zeit vor Ort um eine Geschichte in Bildern zu erzählen. Der Fall der Berliner Mauer, der Terroranschlag beim Fußballländerspiel Frankreich-Deutschland 2015 in Paris, die Verwüstungen von Hurrikan Katrina in New Orleans … Steve McCurry und seine Nikon waren da.

Und immer wieder einzigartige Bilder aus der Region Afghanistan, Pakistan und Indien … das Taj Mahal und davor eine Dampflokomotive.

 

Porträts einfacher Menschen, in ihrer Umgebung, in ihrer alltäglichen Kleidung … ausdrucksstarke Gesichter und berührende Blicke.

Manche Bilder im Buch sind verstörend und trotz ihrer formell-visuellen Schönheit zeigen sie die Schrecken, die Teile der Menschheit ertragen müssen … ein hellroter Flammenschein in der Wüste, im Mittelgrund ein defekter Panzer und im Vordergrund der aufgedunsene, schwarz verfärbte Leichnam eines Menschen. Kinder mit schweren Waffen in einer Frontstellung, afghanische Mujaheddin auf Patrouille, zerbombte Häuser in deren Trümmer Menschen ihr weiteres Leben organisieren. Durchhaltevermögen, Humor und ein echtes Interesse an den Menschen … und eine gehörige Portion Mut, das sind Tugenden, die Steve McCurry halfen die Fotos zu machen, die er gemacht hat und die Geschichten zu erzählen, die erzählt werden müssen.

Steve McCurry hat in seinem Leben viele Auszeichnungen erhalten, aber ich persönlich finde „die letzte Rolle Kodachrome“, die er nach eigenem Gusto belichten konnte und den ersten Pirelli-Kalender mit angezogenen Frauen, den er gestalten durfte, zeigen eine besondere Hochachtung, die seinem Werk und seiner Art zu fotografieren entgegengebracht wird. Das knapp über dem DIN-A4-Format liegende Buch aus dem Knesebeck-Verlag hat einen hochwertigen Einband mit Prägeschrift. Es ist in Fadenbindung gefertigt und hinterlässt einen wertigen Eindruck.

Die abgedruckten Fotos haben eine originale Anmutung, sowohl die älteren analogen, als auch die neuen digitalen Bilder geben die von Steve McCurry bevorzugte Kodak-Farbigkeit gut wieder.

Wenn ich mich nun frage, ob ich aus dem Buch etwas für meine persönliche Fotografie lernen kann, muss ich ganz klar sagen: JA
Die ausgezeichneten und thematisch weit gefächerten Fotos dieses Buches länger in Ruhe zu betrachten und sich dabei Gedanken und Notizen zu machen. Der Versuch die wichtigen und zunächst nebensächlichen Details in den unterschiedlichen Ebenen der Bilder zu entdecken, zu analysieren und vielleicht darüber auch die Gestaltung des Bildes und seine beabsichtigte Aussage zu verstehen. Das alles bringt mich persönlich, neben der reinen Freude am Lesen, in meiner persönlichen Fotografie ein Stückchen vorwärts.

 

 

Bonnie McCurry und Steve McCurry
Steve McCurry A Life in Pictures – Ein Leben für die Fotografie
392 Seiten, mit 650 farbigen Abbildungen, aus dem Englischen von Ingrid HackerKlier
Preis € 75,- [D] 77,- [A] ISBN 978-3-95728-098