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Eins reicht.

Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Inhalt

Eins reicht. Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Fotos gezielt auswählen und präsentieren.

Der Titel war für mich erstmal etwas irritierend, vor allem weil die Neonhand zwei Finger zum V-Zeichen in die Höhe streckt. Aber schon in der gut geschriebenen Einleitung wurde mir klar was mit dem Titel gemeint ist und was mich im weiteren Verlauf des Buches erwarten wird. Der Autor bringt dies mit dem Satz „…dieses Buch liest sich eher wie ein intensives Gespräch auf einem Spaziergang.“ ziemlich genau auf den Punkt.

Gaudi – Material, Form und Farbe

Für dieses Jahr war eigentlich ein mehrtätiger Trip nach Barcelona fest eingeplant … naja und dann kam Corona.
Beabsichtigt waren, neben dem allgemeinen Touristikprogramm, ausführliche Fotoexkursionen zu den Bauwerken,
die Antonio Gaudi geschaffen, angefangen oder entworfen hat.

Rock Cover …. cover me

Der Taschenverlag hat zu seinem 40sten Jubiläum eine Reihe von Büchern aus seinem Verlagsprogramm in einer neuen, kompakten und günstigen Version herausgebracht. Wer also eher einen günstigen Einstieg in das Werk eines Künstlers oder in ein Thema sucht und auf die typische Coffeetable-Größe eines Fotobildbandes verzichten kann ohne auf Qualität und Inhalt zu verzichten, der hat die Gelegenheit für  20 Euro pro Band den gleichen Content in schreibtisch- oder couchkonformer Größe zu erhalten.

Ausstellung: GOLD – Sebastiao Salgado

über das Buch aus dem Taschenverlag habe ich ja bereits einen ausführlichen Bericht geschrieben, aber nun hatte
ich auch die Gelegenheit die Ausstellung GOLD in der Bene Taschen Galerie in Köln zu besuchen. Ca. 30 Fotos in
unterschiedlichen Größen werden in 2 Räumen präsentiert. Die weißen Wände und die gute Beleuchtung
lassen die Bilder gut zur Geltung kommen. Bei den analogen Fotoabzügen ist der richtige Betrachtungsabstand
für mich entscheidend für die Bildwirkung, denn die Körnung wird bei zu nahem Betrachtungsabstand schon störend deutlich.

Über diesen Link zur Galerie kann man sich einen sehr guten Überblick über das gezeigte verschaffen.
Leider ist die Ausstellung beendet, wer weiß wann man wo mal wieder Salgados Bilder im großen Formatanschauen kann.

Hier noch ein Link zu einem Interview mit S. Salgado, das im Zusammenhang mit der Ausstellung geführt wurde.

Wer also in absehbarer Zeit nach Köln kommt, sollte sich die Ausstellung ansehen. In der Nähe befindet sich auch der
Aachener Weiher und der bekannte Friedhof Melaten, so kann man seiner Kamera auch noch etwas „Futter“ verschaffen.
Nebenbei noch ein Tip für ein super leckeres Eis bei SCHMITZ , ganz in der Nähe der Galerie auf der Aachener Str., ein
paar hundert Meter in Richtung Zentrum.

Authentische Porträts fotografieren – Chris Orwig

Buch-Rezension

Authentische Porträts fotografieren – Chris Orwig

Ein Leitfaden für die Suche nach Wesen, Bedeutung und Tiefe

d.Punkt-Verlag 2020

 

In dem Fotogebiet „Porträt“ habe ich mich bislang nur nebenbei gelegentlich mal versucht, aber mich nie wirklich damit beschäftigt. Mit dem einen oder anderen Ergebnis war ich zwar ganz zufrieden, aber es war mir ganz klar, war es Zufall oder wo liegen die Ursachen zwischen „naja, okay“ und „eigentlich sehr gut“. Manche Porträts bekannter Fotografen sprechen mich an, andere eher weniger. Auch hier wurde mir nicht wirklich klar, woran das genau liegt. Ich habe für mich in unterschiedlichen Büchern nach Porträts gesucht und die entsprechenden Texte gelesen. In dieser Phase fand ich im Repertoire des d.Punkt-Verlags das Buch von Chris Orwig. Das Porträt auf dem Umschlag des Buches -ein alter Mann mit grauem Haar und Vollbart blickte mich zurückhaltend, aber nicht unfreundlich an- gefiel mir ausgesprochen, es war für mich authentisch.

Chris Orwig wählt in seinem Buch einen für mich eher ungewöhnlichen Weg, er gibt keine fertigen Anleitungen, keine fotografischen Kochrezepte, an seine Leser, er geht das Thema sehr menschlich, sehr tief an. Er beschreibt viele innere Abläufe und Überlegungen, die eng mit einem Porträt zusammenhängen und damit auch Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Die vielen möglichen Interaktionen, die zwischen zwei Menschen, dem Fotograf und dem Model, ablaufen, werden beleuchtet. Chris Orwig spricht von Ängsten und Zweifeln sowie der Möglichkeit mit diesen umzugehen. Verknüpft werden die Betrachtungen mit praktischen Hinweise und Techniken, um sie individuell zu nutzen und auch anzupassen. Jeder Fotograf ist anders auf seiner künstlerischen Suche. Chris Orwig stellt das aufrichtige Interesse am porträtierten Menschen, die Empathie und den Wunsch nach einer tiefgründigen Abbildung der Person in den Vordergrund. Aktives Zuhören und positives Verstärken sind der Spiegel, den der Fotograf seinem Model zur Orientierung und Ausrichtung bieten soll.

Um sich mit der Person zu beschäftigen, ihr die Ängste zu nehmen und die Persönlichkeit in einem Foto darzustellen, stellt Chris Orwig das Gespräch in den Vordergrund. Auch das Ansprechen und Finden eines Models, mitunter der schwierigste Teil eines Poträts werden behandelt. Den Ansatz von Chris Orwig mit „frame and blame“ finde ich sehr interessant und werde ihn für mich ausprobieren. Chris Orwig behandelt in seinem Buch ausschließlich die Nutzung von natürlichem Licht, insgesamt werden Ausrüstung und Aufnahmetechnik in eher geringem Umfang behandelt. Für ihn ist das tiefe Verständnis über die Bedeutung eines Porträts wichtig, daher empfiehlt er dem Fotografen sich selbst porträtieren zu lassen, um daraus zu lernen.

Das über 400-seitige Buch ist nicht zum schnellen durchlesen und nachschlagen gedacht. Man liest Satz für Satz, Kapitel für Kapitel, dann macht man Pausen um das Gelesene zu reflektieren, auf seine Verwendbarkeit zu prüfen und für die eigenen Bedürfnisse angepasst auszuprobieren. Ich habe das Buch öfter mal für ein paar Tage weggelegt und erst dann weiter gelesen. Es ist kein Buch für den Einstieg in das Thema, sondern eher eine Vertiefung  aus einer speziellen Sicht und dient zur Vermeidung von Fehlern (oder auch zur Analyse bereits gemachter Bilder) und zur möglichen Verbesserung der eigenen Ergebnisse.

 

Chris Orwig
Heico Neumeyer (Übersetzung)

Authentische Porträts fotografieren
Ein Leitfaden für die Suche nach Wesen, Bedeutung und Tiefe

Februar 2020, 452 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag ( hier finden sich auch Leseproben )
ISBN Print: 978-3-86490-733-3

 

so geht das in Luminar 4

So geht das in Luminar 4

Fotos verwalten, optimieren und teilen

Über das Programm aus dem Hause Skylum wurde im Internet bereits viel geschrieben und diskutiert. Von „die Alternative zu Lightroom“ über „kompliziert und verwirrend“ bis hin zu „Alleskönner mit vielen Möglichkeiten und kleinen Schwächen“ finden sich vielfältige Meinungen.

In dem Buch von Frank Treichler „ So geht das in Luminar 4“, welches in d.Punkt-Verlag erschienen ist, wird das Programm detailliert mit allen Funktionen erklärt. Das Buch beginnt mit einer allgemeinen Vorstellung des Programms mit seinen Vor- und Nachteilen. Danach geht es weiter mit einer Beschreibung der Installation, sodass dann der Erkundung der in Folge beschriebenen Grundfunktionen und der individuellen Anpassung der Oberfläche nichts mehr im Wege stehen dürfte.

 

Dank des ausführlichen und gut strukturierten Inhaltsverzeichnisses am Anfang des Buches ist es nun möglich direkt zu bestimmten Bereichen oder einzelnen Funktionen zu gelangen. Die Kapitel sind durch farbige Markierungen an oberen Seitenrand schnell auffindbar. Dies und das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches bieten auch später, nach einer Einarbeitung in das Programm, die Möglichkeit gezielt einzelne Funktionen zu suchen und Fragen gezielt zu klären.

Den größten Teil des Buches nehmen die unterschiedlichen Funktionen bzw. Werkzeuge des Bearbeitungsmoduls ein. Die Werkzeuge werden ausführlich, größtenteils mit Screenshot und Beispielbildern, dargestellt und ihre Wirkungswiese wird erklärt. Hier werden auch praxisgerechte Tipps und Mini-Workshops angeboten, zu denen sich Beispielbilder downloaden lassen. So kann man die Beispiele am heimischen Computer, mit einer Testversion oder dem finalen Programm, problemlos nachvollziehen.

Das Buch endet mit Exporteinstellungen, den Druckmöglichkeiten und einer Tabelle nutzbarer Tastaturkürzel. Für mich alles in allen eine sehr runde Sache, sowohl als Anleitung zum Einstieg und den ersten Bearbeitungsschritten als auch zum Nachschlagen bei später aufkommenden Fragen oder Problemen.

Das gut 400 Seiten starke Buch ist in bewährter Fadenbindung erstellt. Die Papier- und Druckqualität ist sehr gut, so können die Beispielbearbeitungsschritte bzw. deren Auswirkungen meist schon durch das Buch sehr gut optisch nachvollzogen werden. Der Autor hat sich daher auch bewusst für deutliche Schritte, die bisweilen in der Praxis etwas heftig wären, entscheiden … man kann es dann halt besser erkennen. Meine Empfehlung ist das Programm oder zumindest die Testversion schon während des Studiums des Buches zu nutzen … lesen und selbst machen prägt sich halt besser ein als nur lesen.

Für mich ist das Buch eine sehr gelungene Anleitung für die Praxis, sowohl für Einsteiger als auch für den fortgeschrittenen User. Darüber hinaus ein gut strukturiertes Nachschlagewerk … mehr kann man von einem Buch nicht verlangen.

 

Hier geht´s zur Verlagsseite mit Leseproben etc. https://www.dpunkt.de/buecher/13475/9783864906800-so-geht-das-in-luminar-4.html

 

Frank Treichler           So geht das in Luminar 4

Fotos verwalten, optimieren und teilen

Februar 2020, 420 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag ISBN Print: 978-3-86490-680-0

Fotografie zwischendurch – Carsten Schröder

20 Minuten Alltag mit Kreativität füllen

Durch den Titel und die Kurzvorstellung im Verlagsprogramm war ich sehr gespannt auf dieses Buch aus dem d.Punkt-Verlag. Der Autor ist Amateurfotograf, wenn auch sehr erfolgreich wie seiner Vita zu entnehmen ist. Für ihn ist die Zeit zum Fotografieren, genau wie für mich und viele Leser, zusätzlich zum Broterwerb und sonstigen Verpflichtungen aufzubringen.

Nachdem er im Vorwort zunächst seine einleitenden Grundüberlegungen zu fotografischen Themen und Motiven, zeitlichen Aspekten, der Kameraausrüstung und Locations darlegt, ergeht schon hier quasi die erste Aufforderung an die Leser: go out and take pictures

Das Buch ist im Folgenden in 42 Episoden, man könnte auch Themenbereiche oder Locations sagen, unterteilt, in denen der Autor Bilder zeigt, die er unter dem Credo des Buches aufgenommen hat. Er gibt Informationen, wie sich das fotografischen Thema ergeben oder besser gesagt in seinen Alltag eingefügt hat. Seine Überlegungen on Location, die beabsichtigte Wirkung, entstandene Probleme und auch die verwendete Technik werden kurz dargestellt. Frei nach dem Motto: „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.“ nutzt der Auto für seine Episoden häufig sein Mobiltelefon.

Als Amateurfotograf sollte man sich vielleicht tatsächlich ein wenig mehr mit den Möglichkeiten seines Telefons beschäftigen, ich jedenfalls werde das nach der Lektüre des Buches auf jeden Fall tun. Selbst die Bildqualität eines Mobiltelefons oder einer kompakten Digitalkamera sind oft ausreichend genug, um Bilder zu machen, wenn man mehr oder weniger ungeplant auf fotografisch interessante Motive oder neue Aspekte bereits begonnener fotografischer Sammlungen trifft. Diese Bilder können sowohl als fotografische Skizzen für ein zu planendes Shooting am gleichen Ort oder als eigenständige Serie genutzt werden. Bei der Verwendung im Web sind sie auch als ergänzende Bilder in bestehende Sammlung einfügbar, die geringe Auflösung in einer Web-Galerie sollte auch mit Bildern des Mobiltelefons möglich sein.

Der Autor zeigt in den 42 Episoden eine breite Palette von Örtlichkeiten und Gelegenheiten auf, bei denen man nicht immer direkt an das Fotografieren denkt … ein Weg durch einen U-Bahnhof zum nächsten Zug ist für viele tägliche Routine. Man kann jedoch zunächst gedanklich oder direkt fotografisch versuchen den Alltag zu durchbrechen und den Alltag zum Motiv zu machen. Kleine Zeitfenster zu schaffen und fotografisch zu nutzen … sich 10 Minuten eher auf den Weg zur Arbeit zu machen und dafür einen kleinen Stop einlegen, die Kamera nehmen und einige Fotos machen. Endlich ein Bild von dem was man tagtäglich gesehen hat … und da manchmal der Appetit beim Essen kommt, kann man das dann auch ausbauen. Neben Fotos, die der Autor an seinen Locations gemacht hat … keine fotografischen Highlights, aber darum geht es in diesem Buch auch gar nicht … gibt er auch immer wieder weitergehende Tipps zur Erarbeitung einer Szenerie, zur weiteren Bearbeitung oder zur Nutzung von Equipment.

Es gibt ja bereits einige Bücher auf dem Markt, die einem helfen sollen oder wollen seine phasenweise niedrige Kreativität wieder aufzupushen. Die Bücher, die ich kenne, sind meist so aufgebaut, dass man pro Woche oder Tag eine Art Aufgabe bekommt und diese dann individuell umsetzt. Dies ist ein Weg, um vorübergehende Phasen eigener Ideenlosigkeit zu beenden, das hier vorliegende Buch geht einen anderen Weg. Neben der Idee spontan das Gesehene in ein fotografisches Bild umzusetzen, bringt es mich dazu mir Gedanken über nahe liegende Locations und Motive zu machen. Diese halte ich für mich auf einer Liste fest und plane sie in den Alltag zu integrieren.

Das dazugehörige Zeitfenster planen, eine passende Minimalausrüstung mitzunehmen und dann vor Ort kurz aber intensiv zu fotografieren. Die ersten Punkte auf meiner Liste habe ich unmittelbar beim Lesen des Buches notiert, ein Anfang ist also gemacht und nun kommt die Umsetzung. Vom Text her ist das Buch inhaltlich wie sprachlich kein Highlight der Foto-Prosa, aber auch das will es wohl auch gar nicht sein. Für mich ist es ein gut nutzbares Buch mit praktischen Ansätzen und soliden Tipps … es erfordert jedoch schon fotografische Kenntnisse und die Bereitschaft sich persönlich mit der Materie auseinander zu setzen. Eher ein Buch für Fortgeschrittene als für Anfänger.

Das querformatige Buch ist in hochwertiger Fadenbindung mit Lesebändchen ausgeführt.
Von der Druckqualität und dem verwendeten Papier entspricht es voll meinen Erwartungen.

Hier findet man einige Leseproben auf der Verlagsseite: https://www.dpunkt.de/buecher/13467/9783864906831-fotografie-zwischendurch.html#Leseproben

Carsten Schröder
Fotografie zwischendurch
20 Minuten Alltag mit Kreativität füllen
September 2019, 266 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-683-1

a life in pictures – Steve McCurry

Steve McCurry – A life in pictures

392 großformatige Seiten mit 350 zumeist farbigen Fotos … mehr als 100 davon sind bislang unveröffentlicht. Dazu viele Abbildungen persönlicher Gegenstände, handschriftliche Notizen und private Erinnerungsfotos. Geschrieben von seiner Schwester, Bonnie McCurry, ist das Buch ein einzigartiger Einblick in das Werk und das bewegte Leben eines der bedeutendsten Fotografen der letzten Jahrzehnte oder wie die Buchrückseite verrät: „Das ultimative Werk zu Steve McCurry“.
Anfangs hatte ich ein wenig Probleme einen flüssigen Einstieg in das Buch zu finden. Steve McCurrys Leben wird tatsächlich von der Wiege bis Einstieg in die professionelle Fotografie ausführlich aus der Sicht seiner älteren Schwester, deren starke Bindung zu ihrem berühmten Bruder man deutlich herauslesen kann, beschrieben. Vom frühen, tragischen Verlust der Mutter, über den Unfall der seinen rechten Arm dauerhaft lädierte bis zum schulischen Werdegang mit Eskapaden und Abenteuern im Jugendalter wird das Leben von Steve McCurry sehr ausführlich beschrieben … irgendwann geht die Story dann über zur Fotografie und damit zu der Geschichte Steve McCurrys, die wir teilweise aus seinen Bildern kennen.
Im späteren Verlauf des Buches sind in dieser ausführlichen Einleitung  jedoch manchmal wertvolle Hinweise und Informationen zu finden, die es einem erleichtern manche Entscheidung oder Wendung im Leben von Steve McCurry und damit auch seine Bilder besser zu verstehen. Irgendwann fesselte mich die Geschichte, oder besser gesagt die vielen einzelnen Geschichten, die sich abgespielt haben und in den Fotos von Steve McCurry zum Ausdruck kommen. Meine Leseabschnitte wurden immer länger und zuletzt habe ich das Buch kaum noch aus der Hand gelegt … das Ende, mit einer großartigen Bildersammlung zu den Themen: Mut, Ort der Zuflucht – Bäume und Heiligtümer, Schlaf, Unveröffentlichte Bilder und Neueste Arbeiten, entschädigte mich dann für das Ende des Lesevergnügens. In vielen Büchern bekannter Fotografen habe ich für mich ein Mangel an Informationen festgestellt, ich wollte mehr über die Bilder und ihre Entstehung erfahren. Das ist in diesem Buch absolut nicht der Fall.

Im Buch findet sich die Geschichte von Sharbat Gula, dem afghanischen Mädchen mit den strahlend grünen Augen, welches 1985 auf der Titelseite der National Geographics zu sehen war. Ebenso die Geschichte eines indischen Schneiders, der, bis zum Hals im Wasser stehend, seine alte Nähmaschine durch die Fluten des Monsuns rettet.

 

 

 

 

 

 

Ground Zero, der Anschlag auf das World Trade Center, mit den einstürzenden Twin-Towers …

Steve McCurry war gerade in New York und hat tiefgreifende Bilder gemacht … am Puls der Zeit, immer zur richtigen Zeit vor Ort um eine Geschichte in Bildern zu erzählen. Der Fall der Berliner Mauer, der Terroranschlag beim Fußballländerspiel Frankreich-Deutschland 2015 in Paris, die Verwüstungen von Hurrikan Katrina in New Orleans … Steve McCurry und seine Nikon waren da.

Und immer wieder einzigartige Bilder aus der Region Afghanistan, Pakistan und Indien … das Taj Mahal und davor eine Dampflokomotive.

 

Porträts einfacher Menschen, in ihrer Umgebung, in ihrer alltäglichen Kleidung … ausdrucksstarke Gesichter und berührende Blicke.

Manche Bilder im Buch sind verstörend und trotz ihrer formell-visuellen Schönheit zeigen sie die Schrecken, die Teile der Menschheit ertragen müssen … ein hellroter Flammenschein in der Wüste, im Mittelgrund ein defekter Panzer und im Vordergrund der aufgedunsene, schwarz verfärbte Leichnam eines Menschen. Kinder mit schweren Waffen in einer Frontstellung, afghanische Mujaheddin auf Patrouille, zerbombte Häuser in deren Trümmer Menschen ihr weiteres Leben organisieren. Durchhaltevermögen, Humor und ein echtes Interesse an den Menschen … und eine gehörige Portion Mut, das sind Tugenden, die Steve McCurry halfen die Fotos zu machen, die er gemacht hat und die Geschichten zu erzählen, die erzählt werden müssen.

Steve McCurry hat in seinem Leben viele Auszeichnungen erhalten, aber ich persönlich finde „die letzte Rolle Kodachrome“, die er nach eigenem Gusto belichten konnte und den ersten Pirelli-Kalender mit angezogenen Frauen, den er gestalten durfte, zeigen eine besondere Hochachtung, die seinem Werk und seiner Art zu fotografieren entgegengebracht wird. Das knapp über dem DIN-A4-Format liegende Buch aus dem Knesebeck-Verlag hat einen hochwertigen Einband mit Prägeschrift. Es ist in Fadenbindung gefertigt und hinterlässt einen wertigen Eindruck.

Die abgedruckten Fotos haben eine originale Anmutung, sowohl die älteren analogen, als auch die neuen digitalen Bilder geben die von Steve McCurry bevorzugte Kodak-Farbigkeit gut wieder.

Wenn ich mich nun frage, ob ich aus dem Buch etwas für meine persönliche Fotografie lernen kann, muss ich ganz klar sagen: JA
Die ausgezeichneten und thematisch weit gefächerten Fotos dieses Buches länger in Ruhe zu betrachten und sich dabei Gedanken und Notizen zu machen. Der Versuch die wichtigen und zunächst nebensächlichen Details in den unterschiedlichen Ebenen der Bilder zu entdecken, zu analysieren und vielleicht darüber auch die Gestaltung des Bildes und seine beabsichtigte Aussage zu verstehen. Das alles bringt mich persönlich, neben der reinen Freude am Lesen, in meiner persönlichen Fotografie ein Stückchen vorwärts.

 

 

Bonnie McCurry und Steve McCurry
Steve McCurry A Life in Pictures – Ein Leben für die Fotografie
392 Seiten, mit 650 farbigen Abbildungen, aus dem Englischen von Ingrid HackerKlier
Preis € 75,- [D] 77,- [A] ISBN 978-3-95728-098

Animals – Steve McCurry

Steve McCurry / Animals

Internationale Bekanntheit erreichte Steve McCurry durch seine Reportage „Intervention in Afghanistan“, die die Zeit des sowjetischen Engagements an der Seite der machthabenden Putschisten gegen diverse Mujaheddin-Gruppen in den 1980er-Jahren dokumentiert.

Vielen Fotografen und Lesern ist das Porträt des „Afghanischen Mädchens“ bekannt, welches 1985 das Cover des National Geographic Magazins zierte. Auch wenn ich dieses Bild sehr wohl kannte, bin ich auf das weitere Schaffen von Steve McCurry erst durch eine Ausstellung zum Thema Buddhismus gestoßen. In der Völklinger Hütte waren in Verbindung mit einer historischen Buddhismus-Ausstellung 30 Fotos im Format von ca. 2×3 m ausgestellt, die durch ihre lebendige Farbigkeit einen tollen Kontrast zu den grauen Betonwänden der eindrucksvollen Industriekulisse bildeten. Die leuchtenden, kräftigen Farben der McCurry-Bilder lassen seine Themenwelten und Motive lebendig und authentisch wirken, ohne bunt und kitschig zu sein. Bis zum Produktionsende hat McCurry mit Kodachrome-Filmen gearbeitet, er verfügt über ein Archiv von mehr als 800.000 Kodachrome-Dias.
McCurrys Hauptinteresse gilt den Menschen mit ihrer typischen Kleidung, sichtbarem und authentischem Umfeld, passenden Gegenstände, erkennbaren Örtlichkeiten und Hintergründen. Viele seiner Porträts werden erst dadurch zu dem was sie sind.
In vielen Situationen ist der Mensch in seinem beruflichen Umfeld, in seinem Alltag oder in seiner Freizeit umgeben oder begleitet von Tieren. So hat er auch Menschen mit Tieren und Tiere alleine fotografiert. Diese Fotos hat McCurry nun zusammengestellt und in dem Buch Animals veröffentlicht. Um es direkt zu sagen, wer ein Tierbestimmungsbuch oder eine Hochglanz-Tierpark-/Wildlife-Beauties-Buch erwartet, der wartet umsonst.

Die Tiere in „Animals“ sind aus dem Leben gegriffen, ungeschönt, alltägliche Tiere, die McCurry bei seinen Reportagen in den jeweiligen Regionen fand.

McCurry erzählt Geschichten in Bildern, so dass in dem Buch die Rolle der Tiere … als Partner, Freund, Arbeitstier, Besitz oder Statussymbol … oder auch alleine ohne Menschen, anders gesagt: an Stelle des Menschen dargestellt wird. Sie nehmen teils gewichtige Rollen im sozialen Gefüge ein, teils sind sie zunächst nur Beiwerk. Oft sind sie erkennbare Individuen mit Gefühlen, Würde und sozialem Stand, manchmal auch die alleinigen Hauptakteure im Bild. So sind beispielsweise Fotos von Tieren enthalten, die sich in kriegszerstörten Gebieten bewegen und sich in dieser vom Menschen verursachten Ödnis in ihrer Freiheit erst orientieren müssen um zu überleben.
Das Buch zeigt eine bunte Auswahl sehr unterschiedlicher, ausdrucksstarker Bilder, insbesondere wenn das Verhältnis von Mensch und Tier unmittelbar im Bild dargestellt wird. Bilder, die Mensch und Tier als Partner zeigen, sind besonders emotional ansprechend, denn häufig übernehmen hier Tiere die Rolle eines anderen Menschen als Partner. In einigen Bildern ergeben sich humoristische Elemente, da man Mensch und Tier in Rollen sieht, die man eigentlich so nicht erwartet. Hunde, die mit dem Menschen gemeinsam in die Lektüre der Zeitung vertieft zu sein scheinen, oder einen Affen, der dem Menschen kritisch beim Malen von Zeichen beobachtet. Auch Parallelitäten, wie das doppelstöckige Schläfchen mit ähnlicher Pose von Mensch und Hund, verursachen ein Schmunzeln.

Es sind Fotos zu sehen, wo das Tier Schutz und Zuflucht beim Menschen sucht, versorgt und behütet wird. Genauso sind aber auch Bilder zu sehen wo der Mensch sich in die Geborgenheit eines Tieres begibt, wie der Junge der sich an ein Rind kuschelt und schläft. Die enge, über Jahrtausende gewachsene Verbindung zwischen dem Mensch und den Haus- und Nutztieren wird in vielen Bildern deutlich. Manchmal sind die Tiere auch nur Zierde ihres Besitzers, wie der rosa Pudel auf dem Boulevard oder die Reptilien auf den nackten Oberkörpern junger Männer.

Einzelne Bilder habe ich über einen längeren Zeitraum betrachtet um die Szene nach und nach in Gänze zu erfassen, nach einem kurzen Blick sieht man zwar das Hauptsujet, aber es verbergen sich in den Bildern häufig weitere Informationen, die das Bild erst komplettieren. Mich regen viele der Bilder zum Nachdenken an, was sehe ich eigentlich genau, sehe ich das was der Fotograf mir zeigen will oder gibt es eine Geschichte im Bild, die ich entdecken kann. Das Buch ist für mich nicht nach dem ersten Anschauen abgelegt, ich nehme es immer wieder und suche mir ein Bild raus, welches ich dann für mich genau betrachte und versuche das Gesehene zu analysieren. Ich glaube das kann ich auch lange Zeit immer wieder mal machen, ohne dass Langeweile aufkommt … dafür sind die Bilder einfach zu vielfältig. Insbesondere das Titelbild als Initial lässt bei mir eine ganze Geschichte ablaufen. Ich fühle mich sehr unmittelbar in das Dschungelbuch versetzt, seine Charaktere ziehen vor meinem geistigen Auge auf.

Das hochwertige Papier des Buches hat eine eher seidenmatte, ganz leicht strukturiert wirkende Oberfläche. Die Strukturen, Kanten und Flächen sind detailreich, aber nicht aufdringlich und übertrieben abgebildet. Ein wenig fühlt man sich auch bei den neueren Bildern in analoge Zeiten versetzt. Der Verzicht auf Hochglanz in Verbindung mit einer eher sanften Farbigkeit unterstreicht die Ruhe, die man zum Genießen des Buches haben sollte. Spiegelungen treten kaum auf, aber man sollte eine ausgewogene Beleuchtung zum Betrachten der Bilder haben.
Das knapp über dem DIN-A4-Format liegende Buch hat einen hochwertigen Einband mit Prägeschrift und Schutzumschlag. Es ist in Fadenbindung gefertigt und lässt sich sowohl gut umblättern als auch aufschlagen. Neben vielen DIN-A5-Bildern sind auch ganzseitige und doppelseitige Bilder enthalten.
Das Buch enthält nur sehr wenig Text. Ein paar einleitende Worte des Fotografen, einige passende Zitate, alles auf Englisch … das war´s. Meiner Ansicht nach reicht das auch, denn die Fotos im Buch sprechen für sich. Am Ende ist zu einigen Fotos noch eine zusätzliche kurze Information auf Englisch, Deutsch und Französisch enthalten. Dies ist für mich das einzige kleine Manko, ich hätte mir noch zu einigen weiteren Bildern zumindest ein klein wenig mehr Information am Ende des Buches oder als Einleger gewünscht.

Ich persönlich kann dieses Buch jedem Freund reportageartiger Fotografie empfehlen, für die Freunde der Fotografie von Steve McCurry ist es fast schon ein must-have.

Steve McCurry. Animals

Hardcover, 24 x 33,3 cm, 2,54 kg, 252 Seiten

ISBN 978-3-8365-7537-9
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Exodus + Children – S. Salgado

Exodus und Genesis

Exodus, der lateinische Name für das 2. Buch Moses, in dem die Geschichte des Auszugs des Israeliten aus Ägypten geschildert wird und Genesis, der altgriechischen Bezeichnung für die Geburt und die Schöpfung, das auch das erste Buch Moses und damit den Anfang der christlichen Bibel bezeichnet, haben nicht nur biblische Gemeinsamkeiten.

Beides sind Titel monumentaler Bildbände des brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado, der 2019 als erster Fotograf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt. Salgado, der als sozialdokumentarischer und –kritischer Fotograf aktiv ist, war auch im Auftrag von Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ und „Survival International“ sowie für die Bildagentur Magnum und das New York Times Magazin tätig.

In seinen selbst ausgewählten Langzeitprojekten entstanden eindrucksvolle und ästhetische Schwarzweißfotos, die er in mehreren Büchern veröffentlicht hat. Auch wenn die Themen der Bücher unterschiedlich sind, zeigt sich doch überall sein Engagement für Menschen in Not und bedrohte Natur.

Auch wenn eigentlich die Genesis vor dem Exodus steht ist die Geschichte der Bildbände eine andere.

In Exodus, das erstmals unter dem Titel Migranten im Jahre 2000 erschien und eindrucksvolle, dramatische Bilder der damaligen Flucht- und Migrationsbewegungen beispielsweise aus Afrika, Asien und dem ehemaligen Jugoslawien enthielt, wurde 2016 neu aufgelegt. Salgado schildert in seinem Vorwort zur 431-seitigen Neuauflage, dass er erschüttert feststellen musste wie sehr sich die Bilder aus den 90er Jahren und die Situation im Jahre 2015 glichen. Das großformatige Buch (24,8×33 cm) enthält analoge Fotos, teils doppelseitig teils 2-3 Bilder auf einer Seite, die sicher nicht zum einfachen Durchblättern gedacht sind. Wegen der Größe und des Gewichts, aber auch wegen des Inhalts,  eignet sich das Buch nicht für die schnelle Nachtlektüre im Bett. Es ist im Grunde genommen ein Coffee-Table-Book, das man in Ruhe bei einer guten Tasse Kaffee, auf dem Tisch liegend betrachtet. Die Fotos benötigen Zeit, Zeit das Gesehene zu analysieren, Zeit darüber nachzudenken und seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Exodus gliedert sich in 4 Themenbereiche:

  • Migranten und Flüchtlinge:
    Der Überlebensinstinkt
  • Afrikanische Tragödie:
    Kontinent der Entwurzelten
  • Lateinamerika:
    Landflucht und Chaos in den Städten
  • Asien:
    Das neue urbane Gesicht der Welt

Wenn man die Bilder, die ohne weiteren Text auf den Seiten stehen, in Ruhe betrachtet, kann man Details entdecken, auf scheinbare Nebensächlichkeiten achten und weiter über das Gesehene nachdenken … immer im Licht der historischen Ereignisse, die vielen Lesern noch präsent sein dürften. Hilfreich ist auch der beiliegende Begleittext, der Informationen über den Inhalt und den Kontext der abgebildeten Personen und Szenen sowie die Rahmengeschehnisse enthält.

So vielfältig die Ursachen für Flucht, Vertreibung und Migration sind, so unterschiedlich sind auch Salgados Bilder. Die meisten der Bilder zeigen Menschen. Menschen vor Mauern, die ein Weiterkommen unmöglich machen, Menschen hinter Gittern und Stacheldraht, Menschen in armseligen Camps, die niemals Ziel und Hoffnung waren.
Dazu gehören insbesondere im Themengebiet „Afrikanische Tragödie“ auch erschöpfte, hungrige, leidende, sterbende und tote Menschen … nur Salgados Wahl der Schwarzweißdarstellung lässt zwar eine gewisse Distanz zu und macht das Betrachten zumindest ein wenig leichter und erträglicher.

Salgados Bilder halten dem Betrachter einen Spiegel vor, sie fördern und fordern ein Nachdenken über das Gesehene und zeigen welchen Weg Teile der Menschheit unter Zwang und großen Entbehrungen gehen. Die gleichen Bilder in Farbe wären, mal abgesehen von der bewussten und gezielten Nutzung vom Schwarzweiß-Film durch Salgado, für viele Betrachter schockierend, ein intensiveres Betrachten wäre ihnen vielleicht unmöglich und letztlich wäre Salgados mögliches Ziel nicht erreichbar.

Natürlich sind die Gründe für eine geregelte und organisierte Migration, die als Ziel ein besseres Leben in einer anderen Gesellschaft –und deren Zustimmung- hat, und damit auch die gezeigten Bilder, andere als die, die Menschen im Kampf um das nackte Überleben oder auf der Flucht vor einer konkreten Lebensgefahr zeigen. Dies wird für mich insbesondere in den ersten beiden Teilen des Buches deutlich. Es sind aber auch Bilder von Menschen in ihrem Lebensumfeld zu sehen, die trotz der widrigen Umstände und Gefahren, in gewisser Weise noch Optimismus, Hoffnung und Würde ausstrahlen. Das Umfeld der Menschen und der Geschehnisse wird in die Fotos einbezogen oder als Einzelbild einer Fotoserie dargestellt. Effekthascherei fand ich in den Bildern nicht, auch wenn mich einige Bilder sehr betroffen zurückgelassen haben. Salgado fotografiert sicherlich sehr gezielt und der Aufbau seiner Bilder ist für mich stets durchdacht.

Es sind keine zufälligen Bilder, die einzelnen Fotos und Szenen erfüllen einen Zweck und haben einen inneren Zusammenhang, der sich mindestens über das jeweilige Kapitel, manchmal aber auch über das gesamte Thema des Buches, erstreckt.

Im dritten Teil sind teils Bilder einer fragilen, indigenen Gemeinschaft zu sehen, deren Bedrohung durch die Auswüchse der Zivilisation mit ihrem Hunger nach Land und Bodenschätzen bedroht ist. Erst beim Nachdenken über das dort Gezeigte kommt man wieder zu den Bildern im ersten Teil des Buches und damit zur drohenden Gefahr, auch wenn sie nicht sichtbar ist.

Im vierten Teil wird vielfach das Leben der Gestrandeten an den Rändern der großen Städte, die Ziel der Hoffnung waren, gezeigt. Auch hier ist der Betrachter gefordert sich vorzustellen, wie schlimm die Zustände am Ausgangspunkt der sicherlich langen, gefährlichen und entbehrungsreichen Reise waren, um sich letztlich mit diesen Umständen zu arrangieren.

Das Thema wird von Salgado sehr vielschichtig in seinen Bildern gezeigt. Teilweise sichtbare Körnung und Unschärfe sowie harte Hell-Dunkel-Kontraste sind sicherlich nicht nur der damaligen Qualität höherempfindlicher Filme geschuldet, sondern werden auch gezielt als Stilmittel eingesetzt. Beispielsweise ist auf einer Doppelseite in 4 Bildern die Landung eines Flüchtlingsbootes erkennbar. Erkennbar, denn hier werden keine technisch und gestalterisch präzisen Fotos genutzt, sondern es scheinen Bilder einer mitlaufenden Filmkamera zu sein … sie unterstreichen die Heimlichkeit, die Gefahr und den Ablauf der Aktion.

Parallel zu Migranten/Exodus hat Salgado das 125-seitige Buch Children -Kinder der Migration- herausgebracht.
Das Buch, das es eigentlich gar nicht gibt. Salgado hatte laut seinem Vorwort eigentlich nicht vor diese Bilder zu veröffentlichen. Er hatte die Bilder im Rahmen seiner Reisen und Reportagen zu Exodus gemacht, die Kinder mochten es fotografiert zu werden und er konnte danach weiter an seinem Thema arbeiten. Nach dem Entwickeln der Filme erkannte er die Faszination, die in diesen Porträts steckt. Die 90 porträtierten Kinder strahlen Sorgen, Ängste, Ernsthaftigkeit und Würde aus. Die Kinder sind auf den Bildern nur sie selbst, eigene und starke Persönlichkeiten, mit all ihrer Verletzlichkeit, ihrer Unsicherheit und ihren Wünschen.

Obwohl ihre Lebenssituation zum Zeitpunkt der Fotos alles andere als gut und ihre Zukunft nicht gesichert ist, haben einige Gesichter sogar einen leichten Anflug von Optimismus.Die Kinder blicken direkt in die Kamera und insbesondere ihre Augen beindrucken mich. Was mussten diese Augen schon alles sehen, wohin schauen diese Augen … man kommt bei fast jedem Bild ans Nachdenken. Insbesondere wenn man dieses Buch in Verbindung mit Exodus betrachtet. Ein sehr intensives Seherlebnis, auch wenn die Motive, anders als bei Exodus, thematisch und inhaltlich sehr ähnlich sind.Exodus erfährt mit Children eine Erweiterung, bildlich aber auch inhaltlich … es geht um diese Kinder, die nächste Generation, die Zukunft … für manche Eltern der Grund den Exodus auf sich zu nehmen.  Für mich gehören diese beiden Bücher einfach zusammen.

 

Nutzung der Fotos mit freundlicher Genehmigung des TASCHEN Verlags.

Informationen zu den Büchern

Sebastião Salgado. Exodus
Sebastião SalgadoLélia Wanick Salgado
Hardcover mit Begleitheft, 24,8 x 33 cm, 432 Seiten
ISBN 978-3-8365-6130-3
Verlag: Taschen
Preis: 50 Euro
Sebastião Salgado. Kinder/Children
Sebastião SalgadoLélia Wanick Salgado
Hardcover, 24,8 x 33 cm, 124 Seiten
ISBN 978-3-8365-6136-5
Verlag: Taschen
Preis: 40 Euro