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Genesis – S. Salgado

Genesis

Genesis ist Salgados 500-seitige fotografische Liebeserklärung an die Schöpfung und zeigt einmalige Fotos von Teilen der Welt, die von der Zivilisation mit ihren negativen, zerstörerischen Auswirkungen nicht berührt oder nachhaltig geschädigt worden sind.

„Eine Hommage an die Größe der Natur“, so Salgado in seinem Vorwort zum Buch.

Nach langjähriger Beschäftigung mit den Themen Armut, Flucht, Vertreibung, Elend und Tod –welche insbesondere auch in seinem Werk Exodus (Link zur Rezension) dargestellt sind- machte Salgado für sich einen thematischen Neuanfang, das Langzeitprojekt Genesis nahm Gestalt an und war nach neunjähriger Arbeit mit 32 Reisen in die Zielgebiete vollbracht und konnte in Form eines Buches und einer Wanderausstellung dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Gen 1,4
Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis

Die für Salgado typische Darstellung in Schwarzweiß ist im 2013 erschienen Buch des Taschen-Verlages in hoher Qualität umgesetzt. Insbesondere die Lichter erscheinen im Druck mit einer guten Durchzeichnung und sehr fein differenzierten Details. Die Schatten und dunklen Bereiche der Fotos lassen ausreichend Inhalte erkennen, sie laden zum langsameren und intensiveren Entdecken des Bildes ein, da sie nicht so deutlich und unmittelbar ins Auge springen wie die Inhalte der Lichterbereiche in den Bildern. Die aller meisten Fotos selbst sind schön, damit meine ich gestalterisch gut aufgebaut, perfekt belichtet und ausgearbeitet. Für die einen zeigen Salgados Genesis-Fotos nur heile Welt, andere sehen hier mehr… einen unschätzbaren Moment festgehalten, um genau das zumindest fotografisch zu bewahren.

In Verbindung mit dem dokumentarischen Schwarzweiß, das die Wirklichkeit ja in gewisser Weise verändert und ausblendet, ergibt sich für mich der pathetische Stil Salgados, der sich fast durchgängig bei all seinen Bildern wiederfindet. Salgado richtet mit jedem seiner veröffentlichten Bilder einen Appell an den Betrachter … dieser kann ihn verstehen und für sich akzeptieren oder ignorieren und ablehnen. Auf mich wirken seine Bilder, ich betrachte die Bilder recht lange und manchmal setzt ein längeres Nachdenken ein. Fühle ich mich dadurch manipuliert? Nicht im negativen Sinne, aber bei einzelnen Bildern wird durch die Art der Darstellung ein Prozess angeschoben, der bei mir deutlich über das reine Betrachten eines schönen Bildes hinausgeht.

Innerhalb des Genesis-Projektes ist Salgado auf die digitale Fotografie umgestiegen. Auch wenn  sein Postprocessing schon immer sehr gut war, die digitalen Negative erlauben noch deutlich mehr Perfektion im fertigen Bild. Man sollte sich aber nicht täuschen, der Versuch einen Abdruck eindeutig als analog oder digital zu erkennen ist keine wirklich einfache Sache und im Grunde genommen auch nicht wichtig.

Die Bilder sind zumeist ganzseitig oder doppelseitig abgebildet. Leider ist in einigen Fällen die produktionsbedingte Buchfalz störend oder bildbeeinträchtigend. Einige Seiten sind ausklappbar und enthalten kleinformatigere, zusammengehörende Fotos, die durch die Tableaudarstellung ihre Wirkung entfalten. Ausdrucksstarke Porträts von Menschen und Tieren, weite Landschaften, bizarre Strukturen und Formen sowie detailreiche Pflanzen und Lichtstimmungen finden sich den Aufnahmen im Buch.

Im Buch befindet sich ein 35ig-seitiger Einleger mit Informationen zu den einzelnen Fotos.

Das Buch gliedert sich in folgende Bereiche:

  • Im Süden der Erde

  • Zufluchtsorte

  • Afrika

  • Nördliche Welten

  • Amazonien und Patanal

Jedem Bereich vorangestellt ist eine 2-3 seitige Einleitung mit Hintergrundinformationen.

Es verwunderte mich leider wenig hier keine Bilder aus Europa oder den Vereinigten Staaten gefunden zu haben. Die Industrialisierung, der Fortschritt und damit unser Wohlstand und unsere aktuelle Lebensweise lassen nur wenig Raum für derartige Fotos… wenngleich auch in Europa noch kleine Paradiese und geschützte Bereiche existieren, die man suchen, finden und fotografisch darstellen kann. Vielleicht ist das genau die Chance, die sich für jeden einzelnen Leser des Buches auftut. Die gezielte und strukturierte fotografische Darstellung der eigenen Lebenswelt, mit der man sich intensiv beschäftigt, deren Schönheit man erkennt und bewahrt, die Motiv und Ansporn für die eigene fotografische Arbeit sein kann.

Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit die Ausstellung zu Genesis im Berliner C/O zu besuchen. Die großformatigen, qualitativ ausgezeichnet gedruckten Bilder, brachten ein noch deutlich über das Buch hinausgehendes Seherlebnis. Auf den Drucken kamen auch feinste Details und Nuancen heraus, das Auge hatte neben dem Eindruck des Gesamtbildes noch eine Menge zu entdecken. Der Andrang war damals recht hoch, die Räume vielleicht nicht optimal für die Menge der Bilder, aber es hat sich definitiv gelohnt. Ich hoffe diese Ausstellung wird irgendwann mal erneut in erreichbarer Nähe zu sehen sein.

Bei Salgado haben die intensive Fotografie und seine Beschäftigung mit den fotografischen Themen Veränderungen hervorgerufen. Dies schildert er in einer sehr persönlichen und berührenden Weise in Wim Wenders ausgezeichnetem Film „Das Salz der Erde“, den ich hier nachdrücklich empfehlen kann.

Mehr über Salgado, seine Arbeit und seine Sicht auf die Welt finden sich auch in folgenden Interviews mit oder über Salgado:

https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/amazonien/salgado-interview/

https://www.deutschlandfunk.de/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-er-hat-nie-mit.691.de.html?dram:article_id=451639

http://www.philipp-lichterbeck.com/interviews/dahin-wo-es-wehtut-sebastiao-salgado

https://www.theguardian.com/artanddesign/2004/sep/11/sebastiaosalgado.photography2

 

Nutzung der Fotos mit freundlicher Genehmigung des TASCHEN Verlags.

Informationen zum Buch

„Genesis“ von Sebastião Salgado
Sprachen: Deutsch
Einband: Hardcover
Seiten: 520
Maße: 25,8 x 36,43 cm
Verlag: Taschen
Preis: 60 €

Gold – S. Salgado

Aurum … das chemische Element mit der Ordnungszahl 79 oder auf deutsch GOLD. 

Dies ist der Titel des neuen Buches von Sebastiao Salgado, welches im Juli 2019 im Taschen-Verlag erschienen ist.

Das Buch zeigt Salgados vollständiges Portfolio das in der Goldmine von Serra Pelada, dem „Kahlen Berg“ am Rand des brasilianischen Amazonas-Regenwaldgebietes, im Jahre 1986 entstanden ist. Das 208-seitige Buch im Format 24,8 x 33 cm enthält neben einem informativen Vorwort des Fotografen und einem Nachwort des Co-Autors Alan Riding zumeist großformatige Schwarzweißbilder  (20×30 cm und doppelseitige Abdrucke).

Zur damaligen Zeit dominierten Farbbilder die Printmedien, aber Salgado hat sich bewusst für die schwarzweiße Darstellung entschieden und hat damit nicht nur das New York Times Magazin überzeugt. Diese Art der künstlerischen Darstellung hat Salgado auch in seinen späteren Langzeitprojekten beibehalten.

„Was hat dieses leblose gelbe Metall nur an sich, dass es die Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen, all ihre Habe zu verkaufen und einen ganzen Kontinent zu durchqueren, um ihr Leben, ihre Knochen und ihre Gesundheit für einen Traum aufs Spiel zu setzen?“
– Sebastião Salgado (aus Pressetext Taschenverlag)

Menschen, die auf den meisten Bildern zu sehen sind, werden durch die Größenunterschiede abstrahiert, je nach Betrachtungsabstand sieht man zunächst nur Linien, Punkte und Flächen. Erst durch die Annäherung und eine genaue Betrachtung werden die Punkte wieder zu Individuen, die Linien zu Leitern und schmalen Pfaden am Abgrund, die Flächen zu Erde und Gestein.

 

 

 

 

Die Bilder enthalten viele kleine Details, die es zu finden und zu entschlüsseln gilt. Es gilt aus dem Gewimmel hunderter und tausender Menschen das komplexe System des primitiven Goldabbaus mit all seinen Schwierigkeiten und Gefahren zu erkennen.

Durch den Verzicht auf die farbige Darstellung der ockerfarbenen, eisenhaltigen Erde, die die garimpeiros, von Kopf bis Fuß eingehüllt hat, gelingt eine sehr kontrastierte und fein abgestimmte Durchzeichnung von Details. Gerade in den erschöpften Gesichtern der Männer, der Muskulatur, den Werkzeugen und Leitern und an ihrer durchnässten Kleidung wird dies deutlich.

Die optische Suche nach Details und Informationen wird nicht durch eine einheitliche, schlammfarbene Eintönigkeit abgelenkt oder fehlgeleitet. Details, wie Werkzeuge, Steine, Schuhe, Kleidung, Waffen und Gesichter bleiben auffindbar und erkennbar.

Auch wenn der Goldrausch längst vorüber ist und die Mine, in der früher bis zu 50000 Männer lebten und schufteten, um ein kleines Stück vom großen Glück zu bekommen, geschlossen ist, wirkt er heute noch nach.
Ca. 30 Tonnen Gold im Wert von ca. 400 Mio. $ hat die Mine, die nun ein 200 m tiefer, vergifteter See ist, abgeworfen. Der intensive Einsatz von Quecksilber zur Goldgewinnung hat die Umwelt nachhaltig geschädigt und eine tote Landschaft hinterlassen.

„Salgados Fotografien sind von einer zeitlosen Unmittelbarkeit. Wir wissen zwar, dass die Mine in Serra Pelada mittlerweile geschlossen ist, doch das ganze Drama des Goldrausches ist in ihnen noch lebendig.“ — Alan Riding (aus Pressetext Taschenverlag)

Für mich ein echtes Reportage-Highlight mit beeindruckenden Schwarzweißfotos auf hochwertigem Papier.
Jörg Wilhelm

 

TASCHEN
Sebastião Salgado. Gold

Sebastião Salgado, Lélia Wanick Salgado, Alan Riding
Hardcover, 208 Seiten € 50
Ebenfalls erhältlich als signierte und limitierte Collector’s Edition, sowie als Art Edition.

Bäume … uraltes Leben

Galerie Berlin

Impressionen aus Berlin … schwarzweiß

Duisburg LaPaDu

Zeche Zollverein

Galerie Venedig … schwarzweiß

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